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Da braucht's erst einen Forscher????

Sozialpolitik

Forscher nennt Hartz IV Ursache für Kinderarmut

14 Prozent aller Kinder in Deutschland gelten offiziell als arm, mehr als 2,5 Millionen Kinder leben auf oder unter dem Sozialhilfeniveau. Der Armutsforscher Christoph Butterwegge hat die Arbeitsmarktreformen als Ursache für Kinderarmut ausgemacht und fordert Gegenmaßnahmen der Politik.

Von AP/omi

 

Der Anstieg der Kinderarmut ist nach Ansicht des Wissenschaftlers Christoph Butterwegge eine direkte Folge der Hartz-Reformen und damit von der Politik billigend in Kauf genommen worden. "Kinderschutzbund, Paritätischer Wohlfahrtsverband und Armutsforscher wie ich haben gewarnt, dass diese Arbeitsmarktreform eine Rutsche in die Armut ist und dass Kinder die Hauptleidtragenden sind", sagte der Politologe. Auf das Arbeitslosengeld II angewiesene Familien seien an den Rand der Gesellschaft gedrängt worden.

Laut Kinderreport 2007 des Deutschen Kinderhilfswerks hat sich seit der Einführung des ALG II am 1. Januar 2005 die Zahl der auf Sozialhilfe oder Sozialgeld angewiesenen Kinder verdoppelt. Schätzungen zufolge leben in Deutschland inzwischen mehr als 2,5 Millionen Kinder auf oder unter dem Sozialhilfeniveau.

Butterwegge kritisierte, man habe dem ALG II den Charakter einer Fürsorgeleistung gegeben, die der bloßen Existenzsicherung diene. "Eine soziale Grundsicherung müsste wirksam vor Armut schützen, damit sie diesen Namen verdient." Das könne man beim ALG II wegen seiner zu geringen Leistungen kaum behaupten. Auch zeitlich befristete Kinderzuschläge hätten nicht verhindern können, dass betroffene Familien "an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden".

Die Kinderarmut steige auch deswegen, weil offenbar die konjunkturelle Belebung auf dem Arbeitsmarkt vor allem an den Alleinerziehenden vorbeigehe, sagte der Armutsforscher. "Weil die Arbeitgeber nicht zuletzt wegen fehlender öffentlicher Ganztags-Kinderbetreuungseinrichtungen an deren flexiblem Einsatz zweifeln, scheinen sie bei der Einstellung neuer Mitarbeiter eher auf andere ALG-II-Bezieher zurückzugreifen."

Auch das 2007 eingeführte Elterngeld nimmt laut Butterwegge zu wenig Rücksicht auf die schwierige soziale Lage vieler Familien. "Zumindest ein Teil der Eltern ist seit Jahresbeginn im Leistungsbezug schlechter gestellt als vorher", erklärte er. Transferleistungsempfänger mit Kindern hätten vom Elterngeld nur Nachteile: Vorher erhielten sie zwei Jahre lang 300 Euro Erziehungsgeld pro Monat, jetzt nur noch für ein Jahr 300 Euro Elterngeld. Beim Elterngeld mache die große Koalition "eine Familienpolitik nach dem Matthäus-Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Und wer wenig hat, dem wird noch was genommen".

Zur Bekämpfung von Kinderarmut fordert Butterwegge eine konsequentere Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, einen gesetzlichen Mindestlohn und eine soziale Grundsicherung. Der Hartz-IV-Regelsatz müsse auf 450 Euro und der Regelsatz für Kinder unter 15 Jahren auf 80 Prozent davon angehoben werden. Zudem sprach sich Butterwegge für die Abschaffung des gegliederten Schulsystems aus: "Armut wird wesentlich durch das sozial selektive Schulsystem verursacht."

Kinderarmut sei "eine Form von struktureller Gewalt und wirkt oft als lebenslange Diskriminierung", betonte der Experte. Eine Gesellschaft, die sich immer stärker in Arm und Reich spalte, müsse mit mehr Drogenmissbrauch, Gewalttätigkeit und Kriminalität rechnen. "Was sie im Sozialen spart, gibt sie am Ende für mehr Polizei, Justiz und Gefängnisse aus."

Der Politologe Christoph Butterwegge arbeitet vor allem zu den Themen Rechtsextremismus, Sozialstaat, Neoliberalismus, Armut und demografischer Wandel. Der 56-Jährige ist seit 1998 Professor und Leiter der Abteilung Politikwissenschaft am Seminar für Sozialwissenschaften der Universität Köln. 2007 erschien sein Buch "Kritik des Neoliberalismus", zuvor veröffentlichte er unter anderem die Bücher "Krise und Zukunft des Sozialstaats" (2006), "Zuwanderung im Zeichen der Globalisierung" (2006), "Kinderarmut in Ost- und Westdeutschland" (2005), "Kinderarmut und Generationengerechtigkeit" (2003) und "Rechtsextremismus" (2002).

 

Stand: Montag, 24. Dezember 2007, 14:49 Uhr
BERLINER MORGENPOST
26.12.07 13:41
 


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